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Crystal-Missbrauch in Sachsen

 

 

Im Vergleich zum Bundesdurchschnitt wird deutlich, dass die Substanzgruppe der Stimulanzien, darunter zählt auch Crystal, den Beratungsalltag in den sächsischen Suchtberatungs- und Behandlungsstellen dominiert: Stimulanzien (70 Prozent), Cannabis (18 Prozent) und Opioide (10 Prozent). Innerhalb der Bundesrepublik wird der Konsum von illegalen Drogen durch Cannabis (41 Prozent) bestimmt. Erfahrungen mit dem Konsum anderer illegaler Substanzen fallen deutlich geringer aus: Opioide (36 Prozent) und Stimulanzien (16 Prozent).

Diagramm: Hauptproblemsubstanzen (Klienten SBB) im Bereich illegale Drogen

Hauptproblemsubstanzen (Klienten SBB) im Bereich illegale Drogen
(© Sächsische Landesstelle gegen die Suchtgefahren e. V., 2016)

In der Grafik geht es um die Verteilung der Hauptproblemsubstanzen, im Bereich der illegalen Drogen, im Vergleich zwischen dem Freistaat Sachsen und der Bundesrepublik Deutschland.

Altersstruktur im ambulanten und stationären Versorgungssystem

Diagramm: Altersstruktur/Geschlecht: stationäre Patienten 2014 in Sachsen mit F15-Diagnose

Die Abbildung zeigt die Altersstruktur von Klienten und Klientinnen mit Crystal-bezogenem Hilfebedarf in den ambulanten Suchtberatungs- und Behandlungsstellen.
(© Sächsische Landesstelle gegen die Suchtgefahren e. V. 2016)

Aus dem Schaubild geht hervor, dass die Altersgruppe der 20 bis 34jährigen mit über 80 Prozent die größte Fallgruppe mit Crystal bezogenem Hilfebedarf im ambulanten Versorgungsbereich darstellt. Im stationären Versorgungssystem ist die Altersgruppe der 20 bis 34jährigen, die im Bereich illegaler Drogen aufgrund einer F15 Diagnose* behandelt werden, auf etwa 88 Prozent zu beziffern.

Der Anteil der unter 20jährigen beträgt im ambulanten Sektor neun Prozent und im stationären Bereich knapp 10 Prozent.

Das Durchschnittsalter der Hilfesuchenden im ambulanten Versorgungsbereich beträgt 27,5 Jahre - mit steigender Tendenz zu den Vorjahren (2014/2013: 26,7 Jahre, 2012: 25,9 Jahre).

Diagramm: Altersstruktur/Geschlecht: stationäre Patienten 2014 in Sachsen mit F15-Diagnose

Die Abbildung zeigt die Altersstruktur sowie die Geschlechterverteilung von stationär aufgenommenen Patienten 2014 in Sachsen, die mit einer F15 Diagnose behandelt worden sind.
(© Sächsische Landesstelle gegen die Suchtgefahren e. V. 2016)

*F15 bezeichnet die Kategorie "Psychische und Verhaltensstörungen durch andere Stimulanzien, einschließlich Koffein" nach der Internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme (ICD 19). Alle im ICD beinhalteten Diagnosen finden sie hier: http://www.dimdi.de 

Sowohl im ambulanten als auch im stationären Versorgungsbereich ist der Anteil weiblicher Konsumentinnen im Vergleich signifikant höher als bei anderen Konsumentengruppen im Bereich der illegalen Drogen. Für beide Versorgungssysteme ergeben sich in diesem Zusammenhang neue Herausforderungen im Umgang mit Schwangerschaft und Elternschaft.

Regionale Verteilung in der Suchtberatung

Diagramm: Crystal-Hilfebedarf (Suchtberatung) in den Regionen

Die Abbildungen zeigen die berechneten Verteilungen der regionalen Problembelastungen durch den Konsum der Substanz Crystal.
(© Sächsische Landesstelle gegen die Suchtgefahren e. V.)

Diagramm: Crystal-Hilfebedarf (Suchtberatung) in den Regionen

Crystal-Hilfebedarf (Suchtberatung) in den Regionen
(© Sächsische Landesstelle gegen die Suchtgefahren e. V.)

Während 2011 besonders viele Konsumenten und Konsumentinnen aus grenznahen Regionen kamen (Vogtlandkreis, Erzgebirgskreis, Sächsische Schweiz/Osterzgebirge), dehnte sich Crystal bis 2013 auch auf die grenzferneren Regionen aus. Innerhalb der letzten Jahre stieg die Zahl der Klienten und Klientinnen von 58 auf 104 und aktuell auf 123 Betroffene pro 100.000 Einwohner. Im Vergleich zum Vorjahr ist eine erkennbare Zunahme des Beratungsbedarfs im Erzgebirgskreis, dem Landkreis Mittelsachsen sowie der Stadt Leipzig zu verzeichnen (Steigerung von 8 bis 18 %). Zu den Regionen mit der größten Problemlast zählen der Vogtlandkreis (183), der Landkreis Meißen (110), der Erzgebirgskreis (164) und die Landeshauptstadt Dresden (129).

Entwicklung F15-Hilfebedarf in der ambulanten Suchthilfe

Im Verhältnis zum Bundesdurchschnitt ist der Anteil des Crystal-bezogenem Hilfebedarfs in Sachsen um das Vierfache höher. Die Substanz Crystal  ist in einem Viertel aller Beratungsfälle, In Zusammenhang mit illegalen Drogen, als Hauptdiagnose zu verzeichnen.

Diagramm: Zunahme Stimulanzien (F15, unter anderem Crystal)- bedingter Hilfebedarf in der ambulanten Suchthilfe

Zunahme Stimulanzien (F15, unter anderem Crystal)- bedingter Hilfebedarf in der ambulanten Suchthilfe
(© Deutsche Suchthilfestatistik 2009-2014, Sachsen/Deutschland)

Die Grafik verdeutlicht den auf Crystal-bezogenen Hilfebedarf / Beratungsbedarf (2009-2014) in den sächsischen Suchtberatungs- und Behandlungsstellen im Vergleich zum Bundesdurchschnitt.

Im Verhältnis zum Bundesdurchschnitt ist der Anteil des Crystal-bezogenem Hilfebedarfs in Sachsen um das Vierfache höher. Die Substanz Crystal ist in einem Viertel aller Beratungsfälle, in Zusammenhang mit illegalen Drogen, als Hauptdiagnose zu verzeichnen.

Diagramm: Klientenentwicklung (SBB) ausgewählter Problembereiche 2002-2015; Sachsen

Klientenentwicklung (SBB) ausgewählter Problembereiche 2002-2015; Sachsen
(© SLS - Standardisierte Jahresberichte 2002-2015)

Die Grafik verdeutlicht die Entwicklung der Beratungsnachfrage im Bereich illegalen Drogen mit ausgewählten Substanzen. Der Trend der vergangenen Jahre setzt sich weiterhin fort - die Beratungsnachfrage zu Opioiden sinkt, während Cannabis-bezogene Suchtprobleme zunehmen. Die nachfolgende Tabelle verdeutlicht die rasanten Veränderungen des Crystal-Hilfebedarfs in den Suchtberatungs- und Behandlungsstellen gegenüber den Vorjahren. Die Daten basieren auf den Erhebungen der Sächsischen Landessstelle gegen die Suchtgefahren e.V..

Jahr  Veränderung im Beratungsaufkommen
in Prozent (%) gegenüber dem Vorjahr
 2010  + 24
 2011  + 29
 2012  + 47
 2013  + 22
 2014  + 16
 2015  + 1

Quelle: Standardisierter Jahresberichte der SLS e.V. 2002-2015


Erfreulicherweise verzeichnet die Statistik keinen vergleichbaren Anstieg des Beratungsaufkommens, wie in den vergangenen Jahren, in Bezug auf die Stoffgruppe der Stimulanzien. Trotzdem dominiert die Substanz Crystal innerhalb der Stoffgruppe Stimulanzien mit 98 Prozent das Beratungsaufkommen in den Suchtberatungs- und Behandlungsstellen.

Diagramm: Verteilung der Hauptproblemsubstanzen in den Städten Chemnitz, Dresden, Leipzig (2015)

Verteilung der Hauptproblemsubstanzen in den Städten Chemnitz, Dresden, Leipzig (2015)
(© SLS - Standardisierter Jahresbericht 2015)

Das Schaubild gibt Auskünfte über die Verteilung der Hauptproblemsubstanzen in den kreisfreien Städten Chemnitz, Dresden und Leipzig. Die Grafik verdeutlicht die suchtspezifischen Unterschiede der drei Großstädte. Mit über 60 Prozent Beratungsaufkommen sind Stimulanzien, in dem Fall Crystal, in den Städten Chemnitz und Dresden von besonderer Bedeutung für das Hilfesystem. In Leipzig ist der Anteil des Beratungsaufkommens in Bezug auf Stimulanzien geringer (unter 45 Prozent), jedoch als Zweitsubstanz beziehungsweise im Rahmen polytoxikomanen Konsummuster dominanter.